Beyond Meat, einst als die Zukunft des Essens gefeiert, setzt nun auf ein überraschendes neues Produkt: eine mit Proteinen angereicherte Limonade namens Beyond Immerse. Dieser Schritt markiert einen radikalen Wandel für das Unternehmen, das seine Kernaufgabe, die Nachahmung von Fleisch, aufgibt und sich stattdessen dem boomenden Markt für funktionelle Getränke zuwendet. Der Zug ist nicht zufällig; Beyond Meat sieht sich einer brutalen Realität gegenüber: Das Geschäft mit pflanzlichen Burgern gerät ins Stocken und die Anleger verlieren das Vertrauen.
Die Marktrealität: Beyond Burger scheitern
Beyond Meat verzeichnete jahrelang ein schnelles Wachstum, angetrieben durch Hype und frühe Akzeptanz. Das Unternehmen ging 2019 mit einer himmelhohen Bewertung an die Börse und sicherte sich Verträge mit großen Fast-Food-Ketten wie McDonald’s und KFC. Der Hype hat jedoch nachgelassen und Beyond Meat verzeichnet kontinuierlich Verluste. Der Umsatz ist seit 2021 stetig gesunken und liegt im Jahr 2024 bei 326 Millionen US-Dollar. Der Aktienkurs liegt jetzt unter 1 US-Dollar pro Aktie und es besteht die Gefahr eines Delistings von der Nasdaq.
Das Problem ist nicht nur die Hinrichtung von Beyond Meat; Die gesamte Kategorie pflanzlichen Fleisches schrumpft. Der Umsatz in den USA ging von 2023 bis 2024 um 7 % zurück, was das dritte Jahr in Folge mit einem Rückgang markiert. Sogar Impossible Foods, der Hauptkonkurrent von Beyond, hat mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, wobei CEO Peter McGuinness zugibt, dass die Kategorie „heute kleiner ist als vor zwei Jahren“.
Warum die Umstellung auf Protein-Soda?
Beyond Immerse ist ein kalkuliertes Glücksspiel. Der Markt für funktionelle Getränke – einschließlich Proteingetränken, Kombucha und elektrolythaltigen Getränken – explodiert und erreicht im Jahr 2024 ein Volumen von über 200 Milliarden US-Dollar. Während pflanzliches Protein immer noch einen kleineren Teil dieses Marktes ausmacht (450 Millionen US-Dollar im Jahr 2024), wächst er.
Die Limonade soll gesundheitsbewusste Verbraucher ansprechen, die vielleicht keine Lust auf fleischlose Pasteten haben, aber gerne ein praktisches, proteinreiches Getränk zu sich nehmen. Mit 10–20 g Protein, 7 g Ballaststoffen und null echtem Fleisch umgeht Immerse die Kritik an verarbeiteten Burgern auf pflanzlicher Basis. Die erste Markteinführung war schnell ausverkauft, was auf ein gewisses Interesse der Verbraucher schließen lässt.
Die Doppelmoral: Verarbeitete Lebensmittel vs. „gesunde“ Entscheidungen
Der Erfolg von Beyond Immerse hängt von einem wichtigen Trend ab: Verbraucher sind zunehmend misstrauisch gegenüber hochverarbeiteten Lebensmitteln … außer, wenn sie in Getränkeform erhältlich sind. Während der Widerstand gegen verarbeitete Fleischalternativen zunimmt, kaufen gesundheitsorientierte Käufer bereitwillig Proteinpulver, Kombucha und Energy-Drinks – allesamt stark verarbeitet.
Diese Heuchelei gibt Beyond Meat eine Chance. Solange funktionelle Getränke von der Gesundheit umgeben sind, kann das Unternehmen seine pflanzliche Expertise nutzen, um einen Teil dieses lukrativen Marktes zu erobern.
Ein verzweifeltes Spiel um die Zeit
Bei Beyond Meat geht es nicht um langfristige Nachhaltigkeit; es geht ums Überleben. Das Unternehmen braucht Zeit, um seine Aktien zu stabilisieren, die Anleger zu beruhigen und auf eine weitere Wende bei den Verbrauchertrends zu hoffen. Es bleibt abzuwarten, ob Protein-Soda Erfolg bringen kann, aber im Moment ist es die beste Chance für Beyond Meat, einem Zusammenbruch zu entgehen. Das Unternehmen muss entweder den Markt davon überzeugen, dass es über Burger hinaus erfolgreich sein kann, oder es riskiert, in der volatilen Welt der Lebensmitteltechnologie zu einem weiteren warnenden Beispiel zu werden.





















