Garry Kasparov spielte nicht nur Schach. Er dominierte es. Er wurde in Baku, damals Teil der Sowjetunion, geboren und stieg mit erschreckender Geschwindigkeit in den Karriererängen auf. 1985 wurde er mit nur 22 Jahren der jüngste Schachweltmeister der Geschichte. Der Titel war kein Zufall. Er hielt es fünfzehn Jahre lang inne und definierte neu, was es bedeutet, ein Großmeister zu sein.
Aber die Welt hörte auf zuzusehen, als Silizium die Bühne betrat.
1996 und erneut 1997 stand Kasparov dem Deep Blue von IBM gegenüber. Die Spiele waren kulturelle Erdbeben. Im ersten Jahr gewann Kasparov. Im zweiten schlug ihn Deep Blue. Es veränderte die Art und Weise, wie Menschen ihren eigenen Intellekt sahen. Wurde er per Code geschlagen? Oder hat er einfach gegen eine Maschine verloren, die ohne Angst spielte?
Dieser Kampf mit der Logik bereitete ihn nicht auf die reale Welt vor.
Schneller Vorlauf ins 21. Jahrhundert. Das Schachbrett wurde durch die Straßen Moskaus ersetzt. Kasparow wurde zu einem der schärfsten Kritiker Wladimir Putins. Er organisierte Proteste. Er kandidierte für ein Amt. Er ging ins Exil. Der Junge, der einen Supercomputer überlistete, versuchte nun, ein Regime auszumanövrieren.
Wie passt sich ein Champion an, wenn sich die Regeln komplett ändern?
Er ist nicht zurückgetreten. Er wehrte sich. Und das Spiel läuft noch.

















